In die Unterwelt eintauchen

Study of the Possible

In die Unterwelt eintauchen

Bizarr, düster und unheimlich. Die Modeindustrie hat abseits vom Glamour auch Schattenseiten und Unterwelten – man denke an einstürzende Textilfabriken, Umweltbelastungen oder Kinderarbeit.
Bei der Ausstellung Underworld Journeys werden den Besuchern vom Take Festival diese Unter- und Abgründe nähergebracht. Die komplexen und vor allem negativen Auswirkungen der Mode auf die Gesellschaft und die Natur will Ursula Guttmann, freischaffende Künstlerin und Kuratorin, mit der Zusammenstellung von internationalen und österreichischen Werken thematisieren – ohne dabei auf Ästhetik und Humor zu verzichten.

Billboard Uth© Jj Dr NOKI


Bei den Underworld Journeys sollen die Abgründe der Mode thematisiert werden. Wie bist du als Kuratorin vorgegangen?

Es soll versucht werden mit schwarzem Humor und vielleicht auch mit Sarkasmus, statt mit der moralischen Keule, an den Themenkomplex heranzugehen. Das passiert mit der Zusammenstellung der Werke und Stücke, ein Ganzes entsteht. Insofern hat man als Kuratorin eine ziemliche Machtposition inne: Man kann eine Geschichte erzählen. Es ist ganz wichtig, den Kontext, in dem die Einzelstücke dann als Gesamtheit gezeigt werden, mit den Künstlern abzusprechen.

 

© Yuhei Mukai


Wenn du von den Problemen der Modewelt sprichst – wer muss deiner Meinung nach zuerst umdenken? Die Industrie oder die Konsumenten?

 

Die Industrie denkt nur um, wenn die Konsumenten das wollen. Es geht ihnen ums Image.

© Anna Sophia Rußmann


Sollen die Ausstellungsbesucher beim Take auch als Konsumenten angesprochen werden?

Ja, unbedingt. Wir sind alle Konsumenten und machen uns doch viele Gedanken darum, was wir anziehen, wie wir ausschauen, aber wir reden nicht so offen darüber.


Was interessiert dich an der Arbeit am meisten?

Die Grenzen. Viele der Werke zeigen Kontroversen auf und evozieren mitunter heftige Gefühle. Wie weit kann Kunst gehen? Das finde ich spannend.
Pia Gärtner
pia_gaertner@yahoo.de

Kann schreiben seit 1997. Am liebsten über Kunst, Musik, Popkultur oder Genderissues - Constructive. Studien: BA Kultur- und Sozialanthropologie / Universität Wien. MA Journalismus und Neue Medien / FH WKW WIEN